Helfer in Gartenfreundes Kinderstube Alles für die Aussaat
Wer von der Pike auf als Landsknecht lernte, begann als Träger einer Lanze. Denn der Ausdruck Pikieren kommt
vom französischen “piquuer” und bedeutet ursprünglich stechen, anstacheln, reizen, verstimmen. Nun sollen die
Jungpflanzen aber nicht verstimmt, sondern zu üppigem Wachstum angereizt werden. Sobald sich die Keimblättchen ausgebildet
haben, wird der Nachwuchs daher vereinzelt und bekommt somit mehr Platz. Mit Hilfe eines Pikierhölzchens werden die
Pflänzchen ausgehoben - man hält sie dabei am Blatt und nicht am empfindlichen Stiel - und in das neue, mit dem gleichen
Werkzeug vorgestupfte Loch gesetzt. Sinnvollerweise wird das Pikierholz auf einer Seite als Spatel ausgebildet, um das
Ausheben zu erleichtern.
Spätestens jetzt tritt dann das oben beschriebene Szenario ein:
Jedes Pflänzchen braucht sein Töpfchen, jedes Töpfchen seinen Platz...
Und immer gilt beim Keimgut:
sanft gegossen keimt´s gut...
Die Erde sollte also gleichmäßig feucht gehalten werden. Um die Samen und empfindlichen Sämlinge nicht zu verschwemmen,
benutzt man am besten eine spezielle
Gewächshausgießkanne mit haarfeinem Brausesieb oder zu feinen Gießbrausen aus Kunststoff für herkömmliche
Gießkannen oder feine Gießbrausen aus Metall für alte Gewächshausgießkannen.Daneben gibt es auch englische Metall-Gießkannen mit langem Gießrohr und feinen Brausen der
englischen Traditionsfirma Haws.
Um immer zu wissen, was man wo hinein gesät hat und um sicher sein zu können, nicht später Salatköpfe im Blumenbeet
heranwachsen zu sehen (es sei denn, man liebt Überraschungen und ungewöhnliche Effekte) muss eine Beschriftung angebracht
werden. Wir bieten hierfür unterschiedliche Möglichkeiten in Form und Material an.
Diese Steck- oder Hängeschilder gibt es aus Schiefer, verzinktem Metall,
Aluminium und Holz. Holz kann man mit einem
Fettstift, alle glatten Materialien am besten mit einem
Glasschreiber beschriften.Bewährt haben sich besonders auch
Labels aus Aluminiumblech,
die es zum Anhängen gibt. Hierbei kann der Name mit der Spitze eines
gewöhnlichen Kugelschreibers in das dünne Blech eingraviert werden und ist somit unverwüstlich.
Besonders feines Saatgut lässt sich kontrollierter säen, wenn man es mit etwas feinem Sand vermischt oder wenn man sich ein
Saatröhrchen bastelt. Dazu schneidet man einfach ein Tablettenröhrchen aus Kunststoff (z.B. von Vitamintabletten)
schräg ab und schleift die Schnittkanten mit Sandpapier glatt. Bei kleineren Samen lässt sich auch ein Gewürzstreuer
zweckentfremden.
An der Aussaaterde darf nicht gespart werden. Sie sollte entkeimt und frei von Unkrautsamen sein. Mit dem
Soil Scoop,
einem neuen, löffelartigen Gerät mit Spitze und gezahnten Seiten lassen sich nicht nur die Säcke bequem aufschlitzen,
sondern er fasst auch eine große Menge Substrat. Bedingt durch seine Form lässt es sich dann auch optimal in die Töpfe
einfüllen.
Zumindest die obere Schicht sollte Pot Tamper, einer Art Holzstempel mit flacher Unterseite
wird die Erde dann leicht angedrückt, damit die Samen später auf gleicher Höhe liegen. Für Aussaatkisten empfiehlt sich hierzu die
quadratische Variante.
Fensterbretter sind im Regelfall zu schmal für die großen Aussaatschalen der Gewächshäuser. Deshalb wird in alles gesät,
was dort gerade noch Platz hat. Vielleicht kennen auch Sie die Batterien von Joghurtbechern, Erdbeerschalen und Eisboxen
auf dem Fensterbrett, teilweise noch mit Behelfsregalen in die Höhe gebaut ? Wer sich das spätere Vereinzeln ersparen will,
sät gleich in Pflanzgefäße mit einzelnen Vertiefungen, in Torfquelltöpfe oder aber greift zum englischen
Paper Potter.
Dies ist eine Kombination aus hölzernem Stempel und Unterlage, mit dessen Hilfe man aus schmalen Streifen Zeitungspapier
seine eigenen Pflanztöpfe herstellen kann, die beim Aus-pflanzen später dann problemlos durchwurzelt werden. In England sind
wir bei einem Kollegen auf einen alten, sogenannten earth-blocker gestoßen. Mit ihm kann man kompakte Erdblöcke pressen.
Dazu muss die Erde allerdings mit faserigen Bestandteilen wie Kokos oder Sisal und am besten mit frischem Rinderdung
durchmischt werden. Das Gerät hat sich verständlicherweise deshalb nicht durchsetzen können.
Jeder Gartenfreund weiß, wie viel Freude und Besitzerstolz man an selbstgezogenen Pflanzen haben kann. Und manch einer
(ver)schätzt auch die Folgen: ”Ohhhh, ... wo soll ich denn jetzt mit den restlichen 500 schönen Jungpflänzchen hin ?” ...
alle Beete und vorhandenen Pflanzgefäße sind ja bereits üppig bedacht. Wegwerfen kommt zunächst natürlich nicht in Frage -
schließlich hat man die kleinen Lebewesen selbst aufgepäppelt ! Zum Glück gibt es noch Freunde, Bekannte, Nachbarn und
wildfremde Gartenfreunde auf Tauschbörsen, denen man die Setzlinge anvertrauen kann. Aber Vorsicht: Fleißige Lieschen
(die heißen wohl auch nicht umsonst so), Tagetes und dergleichen, tragen schnell weiter zum dortigen ohnehin schon großen
Überangebot bei und manch einer nimmt im Tauschrausch wieder mehr Pflänzchen mit zurück als er loswerden wollte ...
Aber lassen Sie sich davon nicht abschrecken, irgendein Plätzchen findet sich immer ! Und sollte doch einmal der Kompost
das unabwendbare Schicksal der Übrigen werden, wissen wir aus eigener Erfahrung, dass sie auch dort noch trotzig
prächtig gedeihen können.
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