




















Wer im Keller, Gartenschuppen oder auf Flohmärkten antike Gartengeräte findet, und diese nicht zur Dekoration
verwenden, sondern auch benutzen möchte, sollte einiges beachten.
Stark verrostete Gegenstände zu restaurieren, ist eine aufwändige und schmutzige Arbeit und erfordert eine ziemliche Menge
einer ganz bestimmten Substanz: “Armschmalz”. Diese ist im Handel nicht zu erwerben, sondern beschreibt schlicht und
ergreifend den Arbeitsaufwand und die damit verbundene Anstrengung.
Bei allen schneidenen Werkzeugen sollte man darauf achten, dass die Klingen nicht zu grob verschliffen sind oder dunkle
“blaue” Verfärbungen (Ausglühungen) zeigen. In diesen Fällen wären neue Schliffe oft zu aufwändig bzw. sinnlos.
Bei Gartenscheren bzw. Rosenscheren sollten die Klingen noch sauber schließen und die Verschlussschraube nicht durch
Hammerschläge verformt sein, was ein Zerlegen der Schere unwiderruflich verhindern würde. Vor dem Lösen der Schraube wird
sie mit Ballistol eingesprüht, dies unterkriecht den Rost und löst sie.
Generell gilt: Weniger ist oft mehr - Die Patina der Stücke sollte erhalten bleiben !
Eine gleichmäßige Dunkelfärbung der Gartenscheren ist z.B. keine Verschmutzung sondern eine sogenannte “Brünierung”, die vor
Korrosion schützt. Viele Holzgriffe von Gartengeräten haben durch den jahrzehntelangen Gebrauch eine natürliche Politur.
Diese gehört ebenso zum Charme der antiken Gartenwerkzeuge, wie auch Baumwachsreste an alten Gartenmessern. Besonders
schöne alte oder datierte Stücke sollten generell nicht zur Benutzung restauriert, sondern nur als Anschauungsobjekte
restauriert werden.
Für jeden, der mit alten Gartengeräten, vielleicht sogar Familienerbstücken arbeitet, wird Gartenkultur und ihre Geschichte
somit im wahrsten Sinne des Wortes greifbar.
Alle Metallteile werden mit Ballistol eingesprüht. Dieses Wundermittel gibt es bereits seit 1904 und wurde
für das Militär zur Waffenpflege und zur Behandlung kleiner Hautverletzungen entwickelt. Die Basis ist ein reines
Weißl, deshalb ist es auch im Gegensatz zu vielen anderen Produkten, biologisch voll abbaubar und umweltverträglich.
Eine 2%ige Verdünnung mit Wasser ist sogar als Mittel gegen Blattläuse zugelassen und effektiv. Wegen der hohen Ergiebigkeit
und der einfachen Anwendung mit unbegrenzten Einsatzmöglichkeiten (Leder-, Tierfell-, Hufpflege etc.) empfiehlt sich hier
das Spray.
Alle Holzteile werden mit einer 50:50 Mischung von Leinöl und Terpentinersatz gepflegt. Leinöl ergibt eine
schöne glatte Oberfläche und der Terpentinersatz ermöglicht ein tieferes Eindringen in das Holz. Verwendete Lappen
dürfen jedoch nicht zusammengefaltet oder -geknüllt an der Luft gelagert werden (Selbstentzündungs-gefahr !).
Am zweckmäßigsten bewahrt man sie in einer geschlossenen Dose oder einem verschließbaren Glas auf.
Gute
Werkzeugstiele
sind traditionell aus langfaserigen Harthölzern wie Esche oder Hickory und werden
“nach der Faser” ausgewählt, d. h., die Fasern des Holzes sollten vom Werkzeugkopf bis zum Stielende durchgängig sein.
Dies garantiert eine gewisse Elastizität und damit Langlebigkeit der Stiele. Eine weit verbreitete Unsitte ist das
Einstellen in Wasser, wenn z. B. der Hackenkopf wackelig am Stiel sitzt. Das ständige Feuchtwerden, Aufquellen und
Austrocknen begünstigt nur die Fäulnisbakterien und führt alsbald zum Abbrechen des Stieles am Kopf. Das Einschlagen
eines Holz- oder Eisenkeiles schafft dagegen dauerhaft Abhilfe. Wenn ein Nachschleifen des Stieles erforderlich ist,
verwendet man ganz feines Schleifpapier (Korn 120 oder feiner) oder Schleifvlies. Stahlwolle würde in diesem Fall
möglicherweise kleine schmerzhafte Drahtfasern im Holz hinterlassen.
Für die Klingen von Gartenscheren bzw. Rosenscheren und hochwertigen
Gartenmessern, die sehr lange
einen scharfen und sauberen Schnitt behalten sollen, ist der Handabzug mit dem Schleifstein dringend anzuraten.
Neben den heute üblichen Kunststeinen sind auch die traditionellen, natürlichen Schleifsteine, wie “Arkansas” oder
besonders auch der “Belgische Brocken” zu empfehlen.
Der “Belgische Brocken” hat zwei Seiten: eine gröbere graue und eine feinere weiße. Kurioserweise kommen die beiden
Bestandteile nur in einem ganz kleinen Gebiet in Belgien natürlich in der gleichen geologischen Formation vor und werden
dort heute wieder abgebaut.
Der Schleifstein sollte in Petroleum oder Wasser aufbewahrt werden, damit die Poren immer feucht sind. Zum Schleifen nimmt
man ihn aus der Flüssigkeit.
Die zu schleifende Klinge wird zunächst flach aufgelegt und dann im Winkel von etwa 5° gekippt. In kreisenden Bewegungen
wird dann der Schliff auf beiden Seiten durchgeführt. Der Vorgang ist erst dann beendet, wenn sich an der Klinge sichtbar
ein ganz feines “Drähtchen”, der sogenannte Grat, gebildet hat. Dieser wird dann auf der weißen Seite durch gleichmäßiges
Ziehen in Längsrichtung des Steines abgeschliffen. Das Ergebnis ist rasiermesserscharf. Für Messer mit gebogener Klinge,
den sogenannten Hippen, gibt es spezielle
gewölbte Schleifsteine.
Für weniger anspruchsvolle Schliffe reicht auch die Anwendung eines Messerstahls, Sensenwetzsteines oder
eines
Hartmetallschärfers.
Grundsätzlich gilt, dass man mit dem Maschinenschliff sehr vorsichtig sein sollte, damit die Schneide nicht dauerhaft
unbrauchbar wird. Während bei Hacken oder Spaten ein Anschärfen z .B. mit dem Winkelschleifer oder am
Schleifbock durchaus möglich sein kann, wurden damit schon zahllose Gartenmesser und Gartenscheren ruiniert: das Schleifen
mit der Maschine trägt im Regelfall zuviel Material ab und erhitzt den Stahl so stark, dass er ausglüht und nie wieder
richtig scharf werden kann.
Grobe Schliffe an Hacken und Spaten lassen sich viel kontrollierter und ungefährlicher mit einer Handfeile ausführen,
für Messer- und Scherenklingen empfiehlt sich ein Abziehen mit dem nassen Schleifstein.
Die Gartenwerkzeuge sollten zunächst einmal mit Wasser und Bürste von anhaftender Erde gereinigt werden. Danch lässt man
sie gut trocknen. Bei Edelstahlwerkzeugen ist dies bereits oft schon die einzige notwendige Pflege.
Bei Schmiedestahlgeräten steht die Rostentfernung an. Leichten Flugrost entfernt man am zweckmäßig-sten durch
Polieren mit Stahlwolle oder Schleifvlies, bei stärkerem Rost ist die Anwendung einer Stahlbürste oder eines
Bürstenvorsatzes aus Stahl oder Nylon notwendig.
Bei allen schneidenden Werkzeugen, wie Buchsbaumscheren, Gartenscheren bzw. Rosenscheren oder
Messer sollten auch die angetrockneten Pflanzensaftrückstände entfernt werden. Dies gelingt einfacher, wenn man die
Stahlwolle zuvor in etwas Spiritus taucht oder die Klingen (aber nur diese !) einige Zeit darin einlegt.
Nähme man den Spruch wörtlich und würde man demnach vom Zustand des Gartenwerkzeuges auf den Zustand seines Besitzers
schließen, so müsste mancher als eingerostet, nicht mehr ganz sauber, wackelig und nicht mehr ganz scharf gelten. Guten,
liebgewordenen Gartengeräten sollte man deshalb ab und an etwas Pflege zukommen lassen
Englische Gartengeräte, Werkzeuge, Gartenbedarf im Versand, Gartenantiquitäten
www.blickfang-alte-zeiten.de